Schockstarre.

Es ist mir egal, dass fremde Menschen sehen können, wie mir die Tränen übers Gesicht laufen. Ich weine nicht in der Öffentlichkeit, aber jetzt gerade können mich alle anderen Menschen mal.

Vor ein paar Stunden haben mir meine Eltern geschrieben, dass es meiner Oma sehr schlecht geht. Ich habe das nicht ernst genommen. So sind meine Eltern. Wenn es um Krankheiten und Verletzungen geht, übertreiben sie immer so sehr, dass ich gelernt habe, ein bisschen was von der Dramatik abzuziehen.

Als meine Mutter aber vor ein paar Stunden schrieb, dass das Krankenhaus schon einen Pastor bestellt hat, schossen mir Tränen in die Augen. Ich lief los, zu Fuß nach Hause und rief unterwegs meine Mutter an. Sie weinte, während sie mir die Erlebnisse der letzten Nacht schilderte. Ich lief gerade durch die Innenstadt und es war mir egal, dass alle es sehen konnten, dass jeder zusehen konnte, wie mir die Tränen übers Gesicht liefen.

Es fühlt sich nicht gut an, online diese Situation "auszuschlachten", aber ich weiß grad nicht, wohin mit meinen Gedanken. Ich berichte meinem Freund, aber ich will mit niemandem so richtig darüber sprechen, weil ich es nicht beschreien will. Ich bin wie ein Kind, das sich die Hände vor die Augen hält und glaubt, nicht mehr gesehen zu werden: was ich nicht ausspreche, wird auch nicht Realität.
Hier, auf so vermeidlich neutralem Boden, nur vor mir und dieser Welt in meinem Kopf alles runterzuschreiben, hilft mir. Ihr alle existiert in dieser Online-Welt gar nicht wirklich für mich, ich schreibe mir einfach meine Gedanken von der Seele, weil ich nicht weiß, was ich sonst machen soll.

Mein Auto ist seit heute Mittag wieder in der Werkstatt und ich kann es erst um 16h abholen, also muss ich warten. Ich habe Listen geschrieben und Dinge organisiert, ich habe aufgeschrieben, welche Sachen ich in meine Handtasche und welche ich in meine Reisetasche packe, was ich besorgen muss und wen ich worüber informieren muss. 

So bin ich. Ich bin eine Listenschreiberin, ich organisiere, um die Kontrolle zu behalten. Ich plane, um alles zu tun, was ich tun kann. Ich verliere den Verstand, aber ich habe dabei einen Plan. Ich halte mich fest an meinen Listen, weil es nichts bringen würde, einfach loszurennen. Und ich schreibe, um zu sortieren, weil es sich dadurch nicht so anfühlt, als würde ich nur nutzlos rumsitzen.

23.6.17 14:33

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